Die Thematik, aus der heraus der Verein Spree-Ensemble-Theater Berlin e.V. gegründet wurde:Das Szenario sieht so aus, dass junge und begabte Schauspieler und Schauspielerinnen ihre Ausbildung beenden, verschuldet sind bis über beide Ohren, und aufgrund der Masse der Konkurrenz kaum eine Chance auf Arbeit in ihrem Beruf haben. Sie bleiben ohne Praxis, sollen diese aber bei jeder Bewerbung vorweisen, logischerweise – denn keiner würde einen Chauffeur einstellen, der grad mal die bestandene Fahrprüfung nachweisen kann…

Wir wollen jungen Schauspielern die Chance geben, genau diese Bühnenpraxis nach der Schule zu erwerben, und so ebenfalls ihre Aussicht erhöhen, im Berufsleben ordentlich Fuß zu fassen.

Aber auch Schauspieler und v.a. Schauspielerinnen, die schon über viel Erfahrung im Beruf verfügen, fallen aus den verschiedensten Gründen aus dem Netzwerk. Frauen sind insofern besonders davon betroffen, als dass sie, wenn sie Kinder haben, beruflich sehr stark zurückstecken müssen.

Auch diesen Schauspieler/innen wollen wir in Zusammenarbeit mit der ZAV die Möglichkeit geben, wieder in ihrem Beruf zu arbeiten, und sich aus der Tätigkeit heraus zu bewerben.

In München und Bremen gibt es solche Theaterunternehmen bereits. Anders als dort sind wir gleichzeitig bestrebt, ein festes Kern-Ensemble mit Repertoire aufzubauen. Die festen, freien und temporären Mitglieder, Neulinge und alte Hasen im Beruf, sollen miteinander arbeiten und sich gegenseitig in ihrem kreativen Schaffensprozess bereichern.

Unsere Arbeit bezieht sich jedoch nicht allein auf den Bereich Schauspiel, sondern uns sind Vertreter aller Sparten rund um Bühne, Film und Musik willkommen.

In Anlehnung an Stanislawskis Moskauer Künstlerisches Theater schwebt uns eine zweigleisige Arbeit vor:

1. Theaterbetrieb mit Repertoire
2. Labor: zeitloser Raum für kreatives Schaffen und künstlerische Entfaltung

Zu 1.

Hierbei liegt der Focus, neben einer soliden künstlerischen Arbeitsweise, darauf, ein möglichst breitgefächertes Publikum anzusprechen.

Wir wollen ein grundständiges Repertoire anbieten im humanistischen Geist der Aufklärung, Theater, in dem der Mensch und das menschliche Erleben im Vordergrund stehen. Das Spektrum soll vom Klassiker bis hin zum modernen Stück reichen, aber immer unter der Maßgabe, dass Regie und Schauspieler gemeinsam eine Inszenierung schaffen, die vom Prinzip her jeden Menschen erreichen kann, ungeachtet der Tatsache, ob er ein regelmäßiger und ausgebildeter Theatergänger ist oder nicht. Unser Theater will Fläche zur Identifikation anbieten, denn wenn es das nicht tut, wird es in der Regel langweilig, belanglos und bleibt ohne nachhaltige Wirkung auf den Zuschauer. Gleichsam wollen wir damit einen Gegenpol zum Regie- und Star-Theater sowie zur TV-Unterhaltung schaffen.

Unser Ziel: intelligente, anregende und berührende Unterhaltung für die Allgemeinheit.

Da Berlin eine Welt-Stadt ist und die Entfernungen hier groß sind, können nicht alle Menschen den Weg zu uns auf sich nehmen. Daher planen wir langfristig eine gezielte Erschließung von Spielstätten in den Berliner Randbezirken sowie im Brandenburger Umland.

Nach dem Motto: Wenn der Mensch nicht zur Kultur kommen kann, kommt sie zu ihm.

Desweiteren beabsichtigen wir, die Farben Berlins in Europa und darüber hinaus zu vertreten.

Die Preise für die Eintrittskarten werden in Zukunft gestaffelt sein: von einem schwäbischen Euro bis hin zu einem rheinländischen Vermögen.

Zu 2.

Im „Labor“ liegt der Focus auf den Künstlern und ihrem schöpferischen Schaffensprozess, nicht auf der Produktion und Präsentation. Dort soll die Möglichkeit bestehen, ohne den Termindruck einer Premiere, theatralische Ausdrucksformen zu erforschen und auf klassische Textformen anzuwenden. Der Künstler darf dort in individuellem Tempo an der Verfeinerung seiner Ausdrucksfähigkeit arbeiten. Idealiter erprobt man unter Hinzuziehung des Gesamtkunstwerksgedankens auch die Vereinigung der verschiedenen darstellenden Kunstformen – immer im Hinblick darauf, wie sich der einzelne die neuen Erfahrungen zunutze machen und an ihnen wachsen kann.